Fotografie

Das Abbild der Wirklichkeit

Am Anfang stand der Wunsch, die Wirklichkeit möglichst naturgetreu abbilden zu können.
Über Jahrhunderte hinweg hatten Künstler immer mehr die Geheimnisse der Malerei erforscht: Perspektive und die Verteilung von Licht und Schatten, Anatomie und die Wirkung der Farben boten den Meistern dieser Kunst die Möglichkeiten, Personen, Gebäude und Szenerien lebensnah darzustellen. Dabei blieben jedoch zwei große Probleme bestehen: zum einen bedurfte es einer intensiven Ausbildung und eines großen Talentes, um die Fähigkeiten zur naturgetreuen Malerei zu entwickeln. Zum anderen war die Herstellung dieser Abbilder ein extrem zeitaufwändiger Prozess, der auch nur von entsprechend wohlhabenden Auftraggebern in Anspruch genommen werden konnte.

Während sich die Malerei, zufrieden damit, die Möglichkeiten entwickelt zu haben, anderen Bereichen wie der Darstellung der eigenen Innenwelt im Expressionismus und anderen experimentellen Kunstformen zuwandte, war es die Fotografie, die in die entstehende Lücke der Abbildung der Wirklichkeit schlüpfte. Hier war es die Technik, nicht die Kunstfertigkeit, die es ermöglichen sollte, Bilder zu erschaffen, die nicht selber interpretierten, sondern das darstellten, was es wirklich gab.

In den späteren Entwicklungen der Fotografie würde sich dieser simple Ansatz natürlich auch enorm ausweiten: dann wurde die Kamera zu einem Instrument, das dem Pinsel des Malers vergleichbar war, und mit dem sich die ästhetischen Vorstellungen des Künstlers durch eine besondere Auswahl von Ausschnitten, Motiven, Spezialeffekten und Perspektiven verwirklichen ließen.
Doch in den Anfangszeiten der Fotografie war an solche Dinge nur sehr bedingt zu denken.

Das Wort "Fotografie" verdanken wir übrigens John Herschel, der den Begriff 1839 zum ersten Mal benutzte - es setzt sich aus den griechischen Begriffen "Licht" und "Schreiben" zusammen.